Nippon Galore

24. August 2009
3. Liga – 09/10
SV Sandhausen – 1. FC Heidenheim
3:0 (1:0)
15.08.09, Hardtwaldstadion (Sandhausen)
2.200 Zuschauer (ca. 150 Gäste)

Eine Stippvisite in Heidelberg ist, neben Neuschwanstein, der Pflichttermin für japanische Urlauber auf gemütlicher Europareise („40 Länder in 7 Tagen“). Das nur wenige Linienbusminuten entfernte Sandhausener Stadion dürfte hingegen nur in wenigen fernöstlichen Reiseführern vermerkt sein.

Dennoch wird dort und auf den Spielerbrüsten großflächig für die „Wurzel der Sonne“ geworben. In Landessprache sogar, die Hofnung stirbt eben bekanntlich zuletzt. Oder wie Konfuzius sagen würde:

Vielleicht tun sich für die geschäftstüchtigen Nordbadener zukünftig auch noch ganz andere Einnahmequellen auf. Nach einem äußerst gelungen Saisonstart belegt man nämlich einen der Spitzenplätze der 3. Liga. Harte DFL-Euro plus scheffelweise Touristen-Yen – es gibt schlimmere Perspektiven.

Spielberichte: HP Sandhausen | Kicker.de | HP Heidenheim


Die endlose Radsport-Krise

6. August 2009
3. Liga – 09/10
Wuppertaler SV – SSV Jahn Regensburg
2:2 (1:1)
29.07.09, Stadion am Zoo (Wuppertal)
4.870 Zuschauer (ca. 40 Gäste)

Bei meiner letzten Stippvisite  am Zoo vor über sieben Jahren erinnerten die damals hinter den Toren existenten Steilkurven noch deutlich an die  velosportive Vergangenheit der traditionsreichen Arena.  In seiner jetzigen Form, mit seinen beiden an selber Stelle neugeschaffenen Tribünen präsentiert sich das Wuppertaler Stadion der Drittklassigkeit gleichwohl mehr als gewachsen. Die Gegengerade ist somit das letzte noch verbliebene Kuriosum. Ein Umbau dürfte aber wohl erst nach einem Aufstieg in die 2. Bundesliga ein Thema werden. Und der ist, nicht nur aus finanziellen Gründen, so schnell nicht in Sicht.

Zwar kann der WSV zweimal in Führung gehen, muss dann aber jeweils den etwas unglücklichen Ausgleich hinnehmen. Hauptverantwortlich dafür  sind eklatante (wird dieses Wörtchen eigentlich auch außerhalb von Fußball-Kontexten verwendet?) Schwächen bei Standardsituationen. Wer aber ernsthaft drei Euro für einen Plastikbecher mit abgestandenem Mineralwasser verlangt, hat den Sieg dann auch einfach nicht verdient. Irgendwie.

Spielberichte: HP Wuppertal | Kicker.de | HP Regensburg


Weil’s einfach Pflicht ist

10. Mai 2009

Der dritte Matchball brachte die Entscheidung. Mit einem 2:0-Sieg über Jahn Regensburg hat Union Berlin den Aufstieg in die 2. Bundesliga erreicht. Herzlichen Glückwunsch!

Ein großer Tag natürlich für alle Freunde der Eisernen, aber auch ein dankbares Ereignis für Fernsehmacher. Sind bei so einem Erfolg eines derart gut unterstützten Vereins doch schöne Bilder und O-Töne mit vielen Emotionen garantiert. Ein von tausenden Anhängern überfluteter Rasen, Schampuspullen im Entmüdungsbecken, ein weinender Präsident, halbnackte Spieler und lustige Interviews. Man kennt das ja. Aber, mal ganz unter uns, als bräsiger TV-Rezipient möchte man doch irgendwie auch gar nichts anderes vorgesetzt bekommen.

Sozusagen also eine Win-win-win-Situation, absolut ausgeschlossen da etwas zu verbocken. Die gestrige Ausgabe der Sportschau bewies dann allerdings, das es sehr wohl möglich ist, selbst diesen fernsehtechnischen Elfmeter ohne Torwart zu versemmeln. Versemmeln ist vielleicht der falsche Ausdruck. Denn verwandelt hat er ihn ja, der an der Seitenauslinie herumvagabundierende Reporter. In einen sensationellen Dialog mit Berlins Trainer Uwe Neuhaus (Gedächtnisprotokoll):

Reporter: Ham’ Sie sich die zweite Liga schonmal ein bisschen angeschaut? So Spielstärke, Konkurrenz?

Neuhaus: Och, ich interessier mich eigentlich gar nicht für Fußball.

Leider ist dieser aus einer sensationell dummen Frage und einer sensationell schlagfertigen Antwort bestehende Gesprächsfetzen aber nicht einfach nur witzig. Er vermittelt vielmehr einen Eindruck davon, wie ein Journalist, erstmal im sicheren Schoß des öffentlich-rechtlichen Gebührenparadieses angekommen, seine eigenen Scheuklappen auf andere Berufsbilder projiziert. Schon GEZahlt?


Totally 90s

24. August 2008

3. Liga – 08/09
VfR Aalen – Rot-Weiß Erfurt
0:2 (0:1)
23.08.08, S***-Arena (Aalen)
3.314 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Mit großer Spannung wurde sie erwartet, die nigelnagelneue dritte Liga. Metropolen treffen auf Kleinstädte, moderne Luxustempel auf bessere Sportplätze. Trotz dieser Gegensätze dürfte das sportliche Niveau ziemlich ausgeglichen sein. Auch diese Partie erwies sich als äußerst umkämpft. Letztendlich machten die besseren Einzelspieler, vor allem aber die Klasse der Thüringer Angreifer den Unterschied aus. Albert Bunjaku (der kurz zuvor im Pokal ein formidables Außenrist-Tor gegen die Bayern erzielte) und Massimo Cannizzaro, diese Namen sollte man sich merken.

Als „bestes Sturmduo der Liga“ lobte Aalens Trainer Euro-Eddi Schmitt genau, der vom Siebenzunull die beiden folgerichtig auf der Pressekonferenz. Widersprechen wollte ihm da niemand. Sein Gegenüber Karsten Baumann, der im letzten Jahrzehnt über 250 Bundesligaspiele absolvierte, liess sich gar zu einem zustimmenden Grinsen verleiten. Ob er allerdings noch lange so viel Freude an seinen Schützlingen haben wird, ist fraglich. Mehrere Späher tummelten sich auf der Haupttribüne, darunter auch Augsburgs Übungsleiter Holger Fach – ebenfalls ein alter Bekannter aus den 90ern.