2. Dezember 2009
Vor fast genau einem Jahr kritisierte die FAZ die mediale Omnipräsenz einiger weniger Experten. Was Ferdinand Dudenhöffer für die Autobranche, ist Prof. Dr. phil., Dipl.-Soz. Gunter A. Pilz für alle Fragen rund um das problemhafte Sozialverhalten von Fußballanhängern. Dabei gilt: je krawalliger, desto Pilz.
Komisch nur, dass eben jene FAZ ihre eigene Doktrin ignoriert und den selbsternannten Fanforscher in jüngster Verganenheit in gleich zwei Artikeln zu Wort kommen lässt. Eine Suche nach Pilz im FAZ.net-Archiv ergibt weitere Treffer, deren Aufruf aber leider kostenpflichtig ist.
Auch Derwesten.de (mit topaktuellem Symbolfoto aus dem Gelsenkirchener Parkstadion) oder Welt Online vertrauen wie unzählige andere Nachrichtenportale auf die Dienste des Hannoveraner Professors. Immer, wenn es irgendwo in der Fußballrepublik gekracht hat, darf er sich mit Erkenntnissen dieser Güteklasse in Szene setzen:
Viele sehen solche Auswärtsfahrten als Abenteuer-Urlaub an. Um Fußball geht es nicht mehr.
Es scheint offenbar völlig egal zu sein, dass solche Allgemeinplätze bereits x-fach bei der journalistischen Auseinandersetzung mit dem in Abständen immer wieder losbrechenden Hooliganismus verheizt wurden. Hauptsache, sie können von einer Fachkraft Koryphäe leicht abgewandelt abermals auf Kommando abgespult werden.
Telefon für Pilz.
Die 80er sind dran… die wollen ihre Phrasen zurückhaben!
Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich gibt es Gewalt im Umfeld von professionellen Fußballspielen. Gab es früher schon und wird es vermutlich auch in Zukunft noch geben. Genau wie in Großraumdiscotheken, auf Straßenfesten und überall sonst, wo (zu) viele junge Männer auf engstem Raum aufeinander treffen und unter dem Einfluss eines explosiven Cocktails aus Adrenalin, Testosteron und Alkohol stehen.
Selbstverständlich spielen auch gruppendynamische Prozesse innerhalb von Fanvereinigungen eine Rolle. Aber gerade deshalb ist sein mantraartiges Wiederkäuen von bloßen Begrifflichkeiten so unfassbar gehaltlos. Als ob die Entstehung von gewalttätigen Auseinandersetzungen dadurch begünstigt würde, dass es seit geraumer Zeit en vogue ist, einen Fanclub statt „Komakolonne ‘85“ lieber „Ultras Hintertupfingen“ zu nennen.
Das alles lässt nur einen Schluss zu: Der Wissenschaftler Gunter A. Pilz bereitet seinen verkopften und schwer verdaulichen Einheitsbrei mit zu viel Forschungsbesteck zu. Vermutlich hat der gute Mann noch nie ein Fußballstadion, geschweige denn einen Sonderzug von innen gesehen.
In Frankfurt mag man sich damit rechtfertigen, dass Pilz der einzige wissenschaftliche Experte für diesen Tehmenkomplex ist. Richtiger werden seine Postulate dadurch aber auch nicht.

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Verfasst von stadioncheck
4. September 2009
JAKO hat endlich reagiert und eine Pressemitteilung auf der Unternehmens-Website veröffentlicht. Bereits die Darreichungsform ist irgendwie eigenartig: JAKO-Chef Rudi Sprügel interviewt sich scheinbar selbst. Da vermutlich nicht ein jeder die Muße hat, sich das komplette Pamphlet anztun, zitiere ich als Leserservice die wichtigsten Abschnitte:
Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen.
JAKO konnte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2008 erneut um zehn Prozent auf 63,8 Millionen Euro steigern. 2008 verkaufte JAKO unter anderem 1,5 Millionen Trikots, 1 Million Trainingsanzüge und eine halbe Million Bälle. Auch 2009 liegt JAKO trotz Wirtschaftskrise auf Wachstumskurs.
JAKO ist Ausstatter von Bundesliga-Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, Rot-Weiss-Ahlen, FC Rot-Weiss Erfurt, SSV Jahn Regensburg, Dynamo Dresden sowie von Fußball-Erstligamannschaften in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien.
Gerade diese Mannschaften wissen die Qualität der JAKO-Produkte, die höchste Ansprüche erfüllt, zu schätzen und vertrauen auf die Kompetenz des JAKO-Teams.
Und mein Favorit:
Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene. Von den Bloggerseiten fand die Geschichte den Weg in die großen Tageszeitungen.
Es wird also ein schwer verdaulicher Brei aus Ausflüchten, Verharmlosungen samt einer Extra-Portion PR-Sprech serviert. Aufrichtige Worte des Bedauerns oder das Einräumen eines kapitalen Fehlers: Fehlanzeige. Bei allem Verständnis für die Interessen der Mulfinger – wäre es denn so schwer gewesen, über den eigenen Schatten zu springen und sich zu einer ernstgemeinten Entschuldigung gegenüber einem nervlich sicher sehr mitgenommenem Menschen durchzuringen?
Wenigstens möchte sich der Sprügel Rudi persönlich dafür einsetzen, dass dem „Hobby-Fußballtrainer“ aus der Geschichte „keine finanziellen Nachteile erwachsen“. Wir werden Sie beim Wort nehmen, Herr Vorstandsvorsitzender. Außerdem bekommt Baade noch eine Privataudienz beim Trikot-Papst. Ich wette einen Zehner, dass dieser Schachzug von mindenstens einem willfährigen Qualitätsmedium als „tolle Geste“ abgefeiert werden wird. Wer hält dagegen?

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Verfasst von stadioncheck
27. April 2009
Den größten Fehler, den ich während meiner Tätigkeit als Manager beim FC Bayern begangen habe, war die Entlassung von Jupp Heynckes 1991.
Gut möglich, dass Uli Hoeneß, heute danach gefragt, einen ganz anderen personellen Lapsus nennen würde.
Beim Rekordmeister haben sie jedenfalls die Reissleine gezogen und Jay zurück nach Göppingen geschickt. Der oben erwähnte Heynckes und Hermann Gerland, ein Rheinländer und ein Westfale, sollen den bajuwarischen Karren nun aus dem Dreck ziehen. Nach der Niederlage von Wolfsburg in Cottbus keine unlösbare Aufgabe für das dynamische Duo.
Meine Prognose (ohne Blick auf das Restprogramm): Bayern wird doch noch Meister. Wer hält dagegen?
PS: Die offizielle Stellungnahme der Münchner zu Klinsis Rauswurf sieht nach einer Bearbeitung mit Wordle (tolles Tool!) gleich viel freundlicher aus:

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Verfasst von stadioncheck
14. Februar 2009
Verstößt das finanzielle Engagement des Dietmar Hopp bei der TSG 1899 Hoffenheim gegen die Regularien der Bundesliga? Hat Hopp mehr Einfluss als erlaubt?
Diese Suggestivfragen feuerte ein mehr oder weniger bekannter Anbieter von Online-Sportwetten am gestrigen Freitag in einer Pressemitteilung ab. Weiter:
Ein Punktabzug für den Aufsteiger im Rahmen einer offiziellen Untersuchung durch die DFL wäre für PartyBets allerdings eine große Überraschung – die Quote ist daher mit 50,00 entsprechend hoch. Und ein Zwangsabstieg der Hoffenheimer ist mit einer Quote von 100,00 fast so wahrscheinlich wie die Entdeckung außerirdischen Lebens auf dem Mond [...]
Dem Knüllerangebot war ein Interview von Welt Online mit Hans-Joachim Watzke vorausgegangen. So ganz Unrecht hat der Boss der Gelben mit seinen Aussagen natürlich nicht, trotzdem sind sie irgendwie putzig. Ist es doch noch nicht einmal vier Jahre her, dass die DFL sämtliche Augen zugedrückt und komplett von Sanktionen gegen einen am Rande der selbstverschuldeten Insolvenz herumpfuschenden Verein Kapitalgesellschaft abgesehen hat. Außerdem dürfte jedem Realo klar sein, dass irgendwelche Untersuchungen nicht einmal ansatzweise den Interessen des Ligaverbandes entsprechen.
Angesichts der Hoppschen Reaktion samt reflexartiger Unterstützung aus der Schneise, einer ereignisreichen Hinrunde sowie dieser grotesken Veranstaltung – bemerkenswertestes Ergebnis: Das unwichtigste Spiel im Rahmen eines absolut belanglosen Events wird im neuen Sinsheimer Schmuckkästchen™ stattfinden – drängen sich doch viel interessantere Spezialwetten auf:
Das DFB-Pokalfinale der Frauen wird ab 2011 nicht mehr in Berlin ausgespielt – neuer Austragungsort?
Zentralstadion Leipzig: 4,00
Staatsbank-Arena Frankfurt: 3,00
Rhein-Neckar-Arena Sinsheim: 1,50
irgendein anderes Stadion: 50,00
Dietmar Hopp wird vom CEO einer nicht unbedeutenden Weltreligion noch zu Lebzeiten für seine Verdienste um die Menschheit heilig gesprochen?
Ja: 1899,00
Nein, aber verdient hätte er es: 1,0000001
Am 20. Spieltag der 1. Bundesliga besiegt Bayer Leverkusen die TSG Hoffenheim auswärts mit mehr als einem Tor Unterschied?
Ø: 5,75

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Verfasst von stadioncheck
20. Januar 2009
Rot-Weiß Oberhausen ist sicherlich ein Verein, der mehr mediale Aufmerksamkeit dieser Art verdient hätte. Oder auch nicht, denn der Artikel ist wirklich mangelhaft. Nicht nur, dass das Bild vom ehrlichen Malocherclub mit der im Regen stehenden Fankurve ausgelutschter nicht sein könnte, auch die geschilderten Analogien zwischen RWO und St. Pauli sind schlichtweg an den Haaren herbeigezogen. Niemand, der schon einmal Spiele beider Vereine besucht hat, würde auch nur auf die Idee kommen, diese in irgendeiner Weise zu vergleichen.
Darüber hinaus hält sich Herr Hermanns nicht an die Fakten. Mit Aussagen wie dieser
Der Verein ist zweimal hintereinander aufgestiegen, von der Oberliga in die Zweite Liga, er erlebt gerade die Kommerzialisierung im Schnelldurchlauf.
versucht der Autor ganz offensichtlich, die Kleeblätter als einen für gewöhnlich im Amateurfußball beheimateten Club darzustellen, der momentan seine ersten Schwimmversuche im Haifischbecken Bundesliga absolviert. Und das ist einfach nicht korrekt.
Richtig ist, dass RWO gerade das Kunststück vollbracht hat, gleich zweimal hintereinander – in verschiedene Richtungen – durch die Regionalliga zu marschieren (also: 2. BL > RL Nord > OL Nordrhein > RL Nord > 2. BL). Zuvor spielte der Verein sieben Spielzeiten am Stück im (damals offenbar noch gänzlich unkommerziellen) Unterhaus und verpasste den Sprung in die 1. Liga in der Saison 2003/2004 lediglich um zwei Punkte.
Diese Informationen wären in zehn Minuten locker und leicht auf der Vereinshomepage oder bei fussballdaten.de zu recherchieren gewesen. Ich bin sogar der Meinung, dass ein über Fußball schreibender Journalist so etwas eigentlich auch aus dem Kopf wissen müsste. Erst recht, wenn dies für ein derart renommiertes Blatt geschieht. Oder steckt hinter diesen unsauberen Ausführungen etwa gar nicht naive Unwissenheit, sondern vielmehr der Versuch, den Leser bewusst zu manipulieren? Egal, wenn Oberhausen tatsächlich so etwas wie „Hoffenheim ohne Hopp“ ist, dann sind Texte wie dieser im Tagesspiegel eben wie Hoffenheim mit Hopp: entbehrlich.
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Verfasst von stadioncheck
23. September 2008
Im Dorf scheinen die Nerven blank zu liegen…: Hopp zeigt Dortmunder Fan an
Verstehen muss man das alles nicht. Da darf sich ein superreicher Mäzen vor den öffentlich-rechtlichen Kameras ausheulen, weil er ja so übel, übel beleidigt worden ist… und nahezu sämtliche Medien drehen am Rad. Ja, ein spätpubertierender Jugendlicher ist mit dem Motiv eines selbstgebastelten Doppelhalters übers Ziel hinausgeschossen, keine Frage. Aber wie daraus eine Morddrohung konstruiert wird, das ist schon arg lächerlich.
Beschimpfungen, auch derberer Natur, gehören wahrscheinlich seit den Gründertagen dieses Sportes einfach dazu. Jeder BuLi-Torwart wurde während seiner Laufbahn schon Tausende male bei Abstößen als Anus, Onanist und Stammhalter einer Prostituierten verunglimpft. Was darf sich ein Uli Hoeneß regelmäßig in fremden Stadien anhören? Schalker werden in Dortmund beleidigt und Dortmunder auf Schalke. Und alle zusammen möchten nicht selten eine schwarze Sau am Galgen baumeln sehen. Das beste daran ist: jeder weiss es, keinen juckts. Bislang zumindest. Nun gibt es da einen dunnhäutigen Milliardär, vor dem sich Sportpresse, DFB und devote Präsidenten der Konkurrenz kollektiv in den Staub werfen. Dabei liegt die Lösung für Didis Probleme doch auf der Hand: Stay out of the kitchen if you can’t stand the heat!
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Verfasst von stadioncheck
23. April 2008
Thomas Doll, Trainer von Borussia Dortmund, hat seinem Ärger Luft gemacht. „Respektlos“ sei die seine Person betreffende Berichterstattung. Vor allem die Dortmunder Leistungen im DfB-Pokal, samt verbundener Qualifikation für den UEFA-Cup, sieht der Ex-Profi nicht ausreichend gewürdigt.
Verständlich! Wurden dort doch selbst undankbarste Aufgaben, wie die Duelle mit den Fußballgiganten aus Hoffenheim und Jena, bravourös gemeistert. Auch in der Bundesliga läuft es. Lediglich einen Punkt weniger als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hat die Borussia gesammelt. Dafür wurden nun aber acht Tore mehr erzielt. Aber selbst dieser glasklare Aufwärtstrend wird von den Aasgeiern der Sportpresse eiskalt ignoriert.
Darüber lacht sich Doll völlig zu Recht „’n Arsch ab“. Dass er dies nicht allein tun muss, dafür sorgt schon seine äußerst unterhaltsame Defensivabteilung. Schließlich stellen die allwöchentlichen Slapstikeinlagen von Wörns und Co. eine ständige Gefahr für die Hinterteile der Fußballrepublik dar.
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Verfasst von stadioncheck